Bundesverfassungsgericht - Pressestelle -
Pressemitteilung Nr. 7/2010 vom 16. Februar 2010
Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts a. D. Prof. Dr. Dr. h.c. mult.
Winfried Hassemer feiert seinen 70. Geburtstag
Der frühere Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Dr. Dr.
h.c. mult. Winfried Hassemer wurde am 17. Februar 1940 in
Gau-Algesheim/Rhein geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften
und seinem Ersten Staatsexamen war er von 1963 bis 1969
Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Rechts- und
Sozialphilosophie der Universität des Saarlandes. 1967 wurde er dort
promoviert. Von 1970 bis 1972 arbeitete er nach seinem zweiten
Staatsexamen als Wissenschaftlicher Assistent am Institut für
Rechtsphilosophie der Ludwig-Maximilian-Universität München und schloss
dort seine Habilitation ab. Im Jahr 1973 erhielt er einen Ruf an die
Johann Wolfgang Goethe-Univiersität in Frankfurt am Main. Er blieb dort
bis zu seiner Emeritierung Professor für Rechtstheorie,
Rechtssoziologie, Strafrecht und Strafverfahrensrecht. Von 1991 bis 1996
war er Hessischer Datenschutzbeauftragter.
Am 3. Mai 1996 wurde Winfried Hassemer zum Richter und Mitglied des
Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts ernannt, seit dem 10. April
2002 war er als Vizepräsident Vorsitzender des Zweiten Senats. Sein
Dezernat umfasste das Straf- und das Strafverfahrensrecht. Er wirkte
unter anderem mit an Entscheidungen zur Strafrechtlichen Rehabilitierung
eines von einem DDR-Militärgericht wegen Fahnenflucht Verurteilten, zur
Wohnungsdurchsuchung bei Gefahr in Verzug, zur Vermögensstrafe, zur
Geldwäsche und zu den Zulässigkeitsanforderungen an revisionsrechtliche
Verfahrensrügen sowie an der Entscheidung zum Geschwisterinzest, zu der
er sein einziges Sondervotum abgab.
Im Februar 2008 endete die Amtszeit Winfried Hassemers als Richter des
Bundesverfassungsgerichts mit Erreichen der Altersgrenze von 68 Jahren.
Er führte sein Amt allerdings bis zur Ernennung seines Nachfolgers
Vizepräsident Professor Dr. Andreas Voßkuhle am 7. Mai 2008 weiter.
Durch seine Fähigkeit komplizierte Verfassungsfragen allgemein
verständlich zu erläutern, trug er auch dazu bei, dass das
Bundesverfassungsgericht in der Öffentlichkeit als bürgernahes Gericht
wahrgenommen wurde. Für ihn waren die Fragen nach der Verwurzelung des
Rechts in der Gesellschaft und nach dem Sinn und der Wirkung von
Gesetzen wichtige Aspekte.
Winfried Hassemer erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität
Thessaloniki (1981), der Bundesuniversität Rio de Janeiro (2001), der
Universität Lusiada in Lissabon (2004) und der Universität Pablo de
Olavide in Sevilla (2005). 2005 wurde er Honorarprofessor der Renmin
University of China. Im Jahr 2008 erhielt er das Große Verdienstkreuz
mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland und die
Wilhelm-Leuschner-Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen.
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Winfried Hassemer lebt heute in Frankfurt am
Main und ist dort als Rechtsanwalt in einer Strafverteidiger-Sozietät
tätig. Er ist verheiratet mit Kristiane Weber-Hassemer, einer
Vorsitzenden Richterin am Oberlandesgericht a.D. und ehemaligen
Staatssekretärin im Hessischen Ministerium der Justiz, für Integration
und Europa.
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