Bundesverfassungsgericht - Pressestelle -
Pressemitteilung Nr. 68/2012 vom 19. September 2012
Richter des Bundesverfassungsgerichts a. D. Prof. Dr. Dr. h. c.
Hans-Joachim Jentsch wird 75 Jahre alt
Der ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts Prof. Dr. Dr. h. c.
Hans-Joachim Jentsch vollendet am 20. September 2012 sein 75.
Lebensjahr. Er gehörte dem Bundesverfassungsgericht als Mitglied des
Zweiten Senats vom 3. Mai 1996 bis zum 28. September 2005 an.
Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Marburg und dem
Zweiten Staatsexamen mit anschließender Promotion ließ sich Hans-Joachim
Jentsch 1966 als Rechtsanwalt in Wiesbaden nieder, wo er ab 1977 auch
als Notar tätig war. 1976 wurde er Abgeordneter des Deutschen
Bundestages, dem er bis 1982 angehörte. Im selben Jahr wurde
Hans-Joachim Jentsch zum Oberbürgermeister von Wiesbaden gewählt und
übte dieses Amt bis 1985 aus. Von 1987 bis 1990 war er Mitglied des
Hessischen Landtags. Nach der Wiedervereinigung wurde er 1990 zum
Justizminister des Freistaats Thüringen berufen. Nach seinem Ausscheiden
aus diesem Amt im Jahr 1994 widmete Hans-Joachim Jentsch sich wieder
seiner Tätigkeit als Anwalt in Wiesbaden und wurde 1995 im Nebenamt
Richter am Thüringischen Verfassungsgerichtshof.
Am Bundesverfassungsgericht umfasste sein Dezernat unter anderem das
Parteienrecht, das Wahlrecht sowie das Recht des öffentlichen Dienstes.
Als Berichterstatter wirkte er an zahlreichen bedeutenden Urteilen und
Beschlüssen des Zweiten Senats mit, so unter anderem an den
Entscheidungen zum NPD-Verbotsverfahren (BVerfGE 107, 339) und zur
Juniorprofessur (BVerfGE 111, 226) sowie der Entscheidung zur Auflösung
des 15. Deutschen Bundestages durch die Stellung der Vertrauensfrage im
August 2005, in der er seine von der Senatsmehrheit abweichende Meinung
durch ein Sondervotum vertrat (BVerfGE 114, 121 [170]).
Im Juli 2002 wurde Hans-Joachim Jentsch von der Rechtswissenschaftlichen
Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena die Ehrendoktorwürde
für seine wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet des Staats- und
Verfassungsrechts und seine besonderen Verdienste um das Gemeinwesen und
die Rechts- und Verfassungsentwicklung in Deutschland verliehen. Im
Februar 2005 bestellte ihn der Thüringer Kultusminister zum
Honorarprofessor. Außerdem erhielt Hans-Joachim Jentsch 2005 das Große
Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband und 2006 die Ehrenbürgerwürde
der Stadt Wiesbaden. Im November 2010 verlieh ihm der hessische
Ministerpräsident die Wilhelm-Leuschner-Medaille für Verdienste um die
Deutsche Einheit.
Hans-Joachim Jentsch lebt heute in Wiesbaden.
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